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Andere Länder und Kulturen
Band 1: Reiseberichte und Impressionen
Texte: François Maher Presley
Fotos: » François Maher Presley
Herausgeber: David Eschrich
Der Band richtet sich an Personen aller Altersgruppen, die gern reisen, die schöne Abbildungen mögen, die sich für Kulturen anderer Länder und Völker interessieren und sich locker weiterbilden wollen insbesondere über Madrid, Toledo, Córdoba, Granada, Sevilla, Corrida de Toros, Lissabon und Faro, Athen, Istanbul, Nil-Fahrt, Luxor, Kairo, Thala, Marokko, Stockholm, Estland, Tallinn, Kuba.
1. Auflage Juli 2004
Hardcover, 146 Seiten, 21,5 x 115 cm, 167 Fotos Preis: 10,75 EUR
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Aus dem Inhalt
Tod auf dem Nil
Will man es dem Namen des Romans von Agatha Christie "Tod auf dem Nil" sinngemäß nicht gleichtun, empfiehlt es sich, bei einer Nil-Reise, die einen unglaublich meditativen Charakter annehmen kann, darauf zu achten, dass das ausgesuchte Kreuzfahrtschiff nach Möglichkeit nicht länger als 18 Monate in Betrieb ist. Auch die in den Reisekatalogen mit "Fünf Sterne de Luxe" ausgezeichneten Schiffe spotten zum Teil jeder Beschreibung. Sie sind mehr als zehn Jahre alt, in einem sich auflösenden Zustand, und die Hygiene an Bord ist eine Zumutung. Die der Wirklichkeit nahende Auszeichnung wäre zwei bis drei Sterne. Hinzu kommt, dass man auf zuviel Gepäck verzichten sollte, denn die Kabinen sind im wahrsten Sinne des Wortes Kabinen.
Nilfahrten von Kairo nach Assuan werden nur noch wenig oder gar nicht angeboten. Die Gefahr von fundamentalistischen Überfällen ist zu groß. So bleibt nur Luxor als Beginn des Gleitens auf dem Nil durch die Wüste, denn bis heute konnte trotz der Staudämme der Wüste kaum mehr Land entrissen werden, an gigantischen ägyptischen Palästen und Tempeln vorbei.
El Uqsor (Die Paläste) heißt die Stadt, seit die Araber sie eroberten. Zuvor kannten die Griechen den Platz als Thebai (nicht Theben). Das aus Lehmhütten bestehende Dorf Waset erlangte seine Bedeutung mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten durch Pharao Mentuhotep I., nämlich als Hauptstadt dieses neuen Reiches (Mittleres Reich). Da der hier übliche Gott Amun im Mittleren Reich zum Reichsgott, dem Sonnengot Re erhoben wurde, wurden Tempel, Säulenhallen und Kapellen von unvorstellbarer Größe und Schönheit errichtet. Neben dem Luxor-Tempel ist hier der Karnak-Tempel, das Tal der Könige mit 64 Pharaonen-Gräbern, das Tal der Königinnen, der Hatshepsut-Tempel, das Ramesseum, die Memmonskolosse und das kleine aber interessante Luxor-Museum, das, im Gegensatz zum Ägyptischen Museum in Kairo, seine Besucher nicht mit Masse und Desinformationen erschlägt.
Erschlagend wie das Ägyptische Museum in Kairo ist dagegen die unglaubliche verbale und körperliche Aufdringlichkeit der hiesigen Ägypter, denen der Touristenstrom weggebrochen ist und die sich nun auf die wenigen verbleibenden stürzen. Es lohnt sich der Besuch des Einheimischen-Basares, wo exzellente Stoffe zu unglaublich kleinen Preisen angeboten werden. Edelsteine, Gold und Silber kauft man besser nicht. Die Edelsteine bestehen aus gefärbtem Glas, Gold verdeckt sonstiges Material, das Silber ist oft nur dünn versilbert. Jeder betrügt Jeden, selbst die Reiseleitung erhält auf durchgehend alles Provisionen - übrigens ausnahmslos.
Dagegen ist eine Hochzeit auf der Straße im Armenviertel ein bleibendes Erlebnis. Das kostet nichts und dennoch wird man reichlich (Erlebniswert) beschenkt. Doch sollte man die Annahme von tatsächlichen Geschenken vermeiden, die verpflichten - das allerdings kann sehr teuer werden.
Es geht nun Nil aufwärts an vielen Orten und schönen Tempelanlagen vorbei. Hier einige herausgegriffen. Die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes Esna ist der Tempel des Chnum, der unter den Römern und Ptolemäern erbaut wurde und dem Schöpfergott Chnum geweiht ist. Dieser Prachtbau ist allerdings nur durch ein Kesseltreiben, also einen Basar-Weg vom Hafen bis zum Tempel zu erreichen, und es scheint auf dem Hin- wie auf dem Rückweg fast unmöglich, ohne Zoll das jeweilige Ziel zu erreichen.
In Edfu findet man den größten und einen der besterhaltenen (Horus) Tempel Ägyptens mitten im Ort (Bilder links und unten), umgeben von den Hütten und Häusern der Einwohner, die allerdings ausschließlich als Schlepper und Verkäufer ihr Dasein fristen, weswegen auch dieser Ausflug in glühender Sonne zu einer Art "Tod auf dem Nil" führen kann.
Um nach Abu Simbel zu gelangen (280 km südlich von Assuan durch die Wüste), hat man in unerträglicher Hitze in Kolonne - angeblich durch Militär bewacht - mit zum Teil geistig stark reduzierten Fahrern eine grauenvolle Fahrt zurückzulegen (es empfiehlt sich ein Flug), um dann allerdings vor einem Bauwerk zu stehen, das an Schönheit, Größe, Inhalt und Aufwand alles vergessen lässt und einem die Geschichte der eigenen fast unerträglichen Vergänglichkeit erzählt.
Ramses II. ließ dort einen sagenhaften Tempel erbauen, der heute auch als das Wahrzeichen Ägyptens gilt. Die davor thronenden Kolossalfiguren zeigen den Pharao in vier Phasen seines Lebens, vom jungen bis zum alten Mann. Der Ausdruck der sich verändernden Gesichter ist überwältigend, die gesamte Innenanlage mit den verschiedenen Götterstatuen und der des Pharaos, die Wandmalereien und Räume und deren Gestaltung fasziniert und macht einem erst den Begriff "Erbe der Menschheit" wirklich deutlich, den man einmal im Leben gesehen und gefühlt haben muss.
Ramses II. wollte mit diesen Tempelanlagen seine Herrschaft über das ganze Ägypten und über Nubien deutlich machen und - das war besonders ungewöhnlich - er zeigt sich hier erstmals als Gott, neben dem von Ober- und Unterägypten, neben dem der Finsternis. Am 21. Februar und am 21. Oktober eines jeden Jahres scheint die Sonne derart in den Tempel, dass einmal die "drei" Götter im Glanz erstrahlen (nicht der Gott der Finsternis), einmal erleuchtet die Statue des "Gottes" Ramses II. allein. Phänomenal!
Eine kleinere, rechts neben der seinigen stehende Anlage ist seiner großen Liebe Nefertari gewidmet. Die Darstellungen Nefertaris überstrahlen die der anderen sechs weiteren Hauptfrauen des Königs, der über sie schrieb: "Schon im Vorbeigehen hat sie mein Herz gestohlen".
Diese Tempelanlage drohte, wie einige andere auch, im aufgestauten Nil zu versinken, ein Ergebnis des Staudammes, der große Stolz Ägyptens, doch konnte die Weltgemeinschaft mit großem Aufwand an Geld, Menschen und Material die Tempelanlagen abbauen und genauso an höherer Stelle wieder aufstellen. Ähnlich taten es die Deutschen mit einer kleineren Tempelanlage.
Völlig erschöpft von den Sehenswürdigkeiten, denn auch Assuan ist ein Wunderwerk der Geschichte und natürlich der Hitze (im Sommer bis 50 Grad), muss man sich einen Fruchtcocktail oder ein Tässchen Tee im Old Cataract Hotel zukommen lassen und kann in dem angeblich besten Hotel Ägyptens, der Luxus besteht hier unter anderem darin, die Zeit mitzubringen, die das Personal braucht, um den Gästen Aufmerksamkeit zu schenken, sich auf die Spuren der Agatha Christie begeben, die Blicke über einen der vielen neuen Seen gleiten lassen, vorbei an alten Ruinen nubischer Ortschaften, hin zum Mausoleum von Aga Sir Sultan Mohammed Shah (Aga Khan), der sich hier am "schönsten Fleck der Erde" 1957 (lang ist es her) beisetzen ließ und in dem Roman, der diesem Beitrag seinen Namen gab, blättern und lesen.
Rezension
Schonungslos mit spitzer Zunge, voll Ironie und Sprachwitz berichtet François M. Presley von seinen Reisen um die Welt. Eine bunte Mischung präsentiert der Band I, die bebilderte Leserreise führt von Madrid über Marokko bis nach Kuba...
Alster-Anzeiger
...Die interessanten Berichte über ferne Länder, deren Sehenswürdigkeiten, und auch die Mentalität der Einwohner, beschreiben Sie objektiv. Als Tourist haben Sie nicht über Mißstände hinweggesehen, denn Kinder, Tiere, Umwelt, haben keine Lobby. Sie geben durch schöne Fotos Anregung zu mehr Reisen...
Gerda-Maria Raschke, Künstlerin
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