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Andere Länder und Kulturen,
Band 2: Alles eine Welt



Texte und Fotos: » François Maher Presley
Herausgeber: » David Eschrich


Der Band richtet sich an Personen aller Altersgruppen, die gern reisen, die schöne Abbildungen mögen, die sich für Kulturen anderer Länder und Völker interessieren und sich locker weiterbilden wollen insbesondere über den Hagenbecks Tierpark, Schleswig-Holstein, das Donautal, das Kloster Beuron oder Leipzig, Krakau und Ausschwitz, Bukarest, Ceuta im Norden Afrikas und einer Hochzeit in Marokko, Tunis und Karthago, Hammamet oder das verschlossene Libyen, Dubai, Amman, Peking und Vietnam, Bangkok und Indonesien.

1. Auflage Juli 2010
Hardcover, 146 Seiten, 21,5 x 115 cm, 167 Fotos
Preis: 10,75 EUR
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Aus dem Inhalt

Auf der afrikanischen Seite des Mittelmeeres und am Rande des Königreichs Marokko befindet sich neben Melilla auch Ceuta, die letzte Festung Europas in Afrika, die in den letzten Jahren durch jene Menschen aus Marokko und Schwarz-Afrika Berühmtheit erlangte, die hier Zuflucht suchten, um nach Europa zu kommen, eine Art Rettungsring, um dem wirtschaftlichen Untergang zu Hause zu entgehen. Die wirtschaftliche Leistungskraft Marokkos zum Beispiel mit 36 Millionen Einwohnern liegt unter der Hamburgs, die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 20 Prozent, inoffiziell geht man von 40 Prozent und mehr aus.

Diese Halbinsel und früher wie auch heute tatsächliche Festung Ceuta misst 18,5 qkm. Sie wurde 319 v. Chr. den Griechen von den Karthagern abgenommen, anschließend folgten die Römer, dann die Vandalen, zudem das Byzantinische Reich als Rechtsnachfolger des römischen Reiches, 616 die Westgoten und 709 die Araber. Von hieraus zogen sie auf die spanische Halbinsel und begründeten die Hochkultur des damaligen und heutigen Andalusiens. 1415 eroberten die Portugiesen die Stadt, dann 1668 wurde Ceuta an Spanien abgetreten – eine 2.500 Jahre sehr bewegte Geschichte, ein bisschen auch Spiegelbild der Geschichte der gesamten nordafrikanischen Region, der ehemaligen Provinz Africa des Römischen Reiches.

Heute leben hier in einer Art architektonischer und landschaftlicher Puppenstube, die ausschließlich spanisch, portugiesisch und neu-europäisch geprägt ist, 75.000 Menschen, und es wird nicht ganz klar, wovon sie leben und wer diesen Teil Europas finanziert. Jedoch existiert zwischen der spanischen Enklave und dem Mutterland ein reger Schiffsverkehr, Touristen dagegen bleiben nicht lange und es handelt sich zumeist um Tagesausflügler, die von Marokko aus eine Erholung in Europa suchen oder deren Visum abgelaufen ist und die somit kurz aus- und wieder einreisen müssen, um ein neues zu erhalten.

Während ganz eindeutig von marokkanischer Seite aus zwar strenge, aber je nach Verhandlung auch durchlässige Kontrollen stattfinden, denn dafür sind in Marokko die Polizei und der Zoll bekannt, alles ist eine Frage des Preises, wenden sich die spanischen Grenzbeamten demonstrativ ab. Zu Zeiten von König Hassan II., dem Vater des heutigen Königs Mohammed VI., konnte die Korruption soweit bekämpft werden, dass Marokko international den Platz 37 der Statistik der korruptesten Systeme in der Welt einnahm. Mit dem heutigen König beförderte die wieder blühende Korruption insbesondere in der Verwaltung und dem Polizei- und Militärwesen die Nation auf Platz 82, ganz in die Nähe Algeriens (Transparency International Deutschland e.V.).

Wer also die marokkanischen Grenzbeamten überwindet, hat es dann auch bei den spanischen Beamten nicht mehr schwer. So blüht der Autoimport an den hohen Steuern vorbei und Hunderte von marokkanischen Wegelagerern bieten ihre Hilfe gegen Bares an, um den Weg an den teilweise sehr abweisenden und unhöflichen Zöllnern und Grenzpolizisten vorbei zu weisen.

Stoßen an dieser Grenze auch zwei unterschiedliche Zeitalter, Welten, Kulturen und Religionen aufeinander, so ist Ceuta doch eine schwammige Grenze, sehr durchlässige Grenze, eher eine Art Hintereingang nach Europa, denn die vielen afrikanischen Besucher interessieren sich eher weniger für die schöne, wunderbar erhaltene oder restaurierte Architektur dieser so alten und geschichtsträchtigen Festung, sondern mehr für den Hafen und seine Transfermöglichkeiten in die noch größere Festung Europa. Die, die als Asylanten anerkannt werden, leben kurz hinter dem Grenzübergang in herunter gekommenen Baracken und warten darauf, dass es ihnen gelingt, einen Job zu finden, denn mehrheitlich werden die Flüchtlinge heute nicht mehr auf das Festland überführt.


Rezension

Andere Länder und Kulturen (ganz): Sehr charmant geschrieben. Da werde ich auch sicherlich im Vorwort auf einige Aspekte einfliessen lassen, nämlich z. B., dass Sie bei aller Bewunderung oder Andacht für die vielfältigen Kultureindrücke in den bereisten Ländern nicht, wie viele Kult(o)uristen, beim "erhabenen Schauen" und Nachschmecken des Exotischen stehen bleiben, sondern die fremden Welten auch durchaus sozialkritisch, bisweilen scharf, sowohl gegen andere, den Mainstream-Geschmack echotenden Bildbänden als auch der deutschen Kuschelromantik des Kleinbürgertums kontrastierend, dabei durchaus nicht polemisch, in Worten zeichnen - das fordert mich insofern zu näherer Beschäftigung heraus.
Dr. Matthias Rauert, Herausgeber und Verleger, Ungarn

Die Beiträge sind gut zusammen gestellt und aktuell,die Texte und Fotos höchst informativ. So trifft der Beitrag über Peking den Nagel auf den Kopf.
Mit freundlichen Grüßen Ihr Arno Weinert