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Denkspiele
Surrealistische Kurzgeschichten

Text: François Maher Presley
Zeichnungen: Michael Haller


Diese hier zusammengetragenen Gedanken und Texte sind weniger als ein Erleben, haben keinen Anfang und kein Ende, beschließen und Eröffnen nichts, wollen nicht gelesen sein, beim sie Lesen, werden nicht erkannt und niemals übergangen. Sie sind weniger als der Teil einer Sekunde bietet, weniger noch als dein Sein. Sie sind erdacht und nicht einmal das, gehen ein im Ganzen, sind konsequent nie erlebt und doch vorhanden, sind somit alles, was nicht gemessen wird, was nicht geteilt, begonnen und beschlossen werden kann und doch jegliches Maß.

Das Wort ist geschaffen, um es auszusprechen. Das nicht geschaffene Wort wird nie vergehen. Die Geburt ist die vorherige Konsequenz des Todes. Einen Gedanken leben, ist ein mit ihm Sterben.

Dem Leeren ist das Sein. Atme nicht, sonst verfällt dein Fleisch. Habe niemals Freude, du gebärst damit die Trauer. Schweig, damit deine Sprache nicht verstummt. Hasse nicht, sonst schenkst du Liebe Leben. Begreife, dass der Anfang auch immer ein Ende ist.

2. Auflage 1992
Leinen/Schutzumschlag, 94 Seiten, 30 x 30 cm, illustriert
Preis: 14,40 EUR
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Aus dem Inhalt

...Schnell warf er sich eine leichte Sommerjacke über, fand sich auf der Straße vor dem Haus wieder, des Weges dorthin nicht erinnernd, wartete, den Rücken zur Straße gekehrt, ab und zu über die Schultern luschernd, ob sie denn schon vorbeikäme, ließ sie auf der anderen Straßenseite an sich vorbeigehen und schloss sich im gleichen Tempo dem Fortgang der feurigen, rothaarigen, zur Wirklichkeit gewordenen Traumfrau an. Er fühlte sich erinnert an seine Jugendjahre, erinnert an den so sehr geliebten Geschichtsunterricht in der Schule, an all die Bücher, die ihm so viele andere Welten zeigten, ihn durch all die Jahrhunderte begleiteten. Er fühlte sich erinnert an das Hexentreiben im Mittelalter. Er trieb über Kopfsteinpflaster, an Handwerkshäusern vorbei, durch Straßen und Gassen, er trieb an Plätzen vorbei, trieb mit vielen hundert anderen Menschen durch die schlechten und auch durch die guten Wohnviertel, vorbei am Rathaus, grölend, schimpfend, Flüche herausschreiend, manche den Herrgott um Hilfe anbittend. Das Blut der Massen brodelte, der Boden bebte unter dem Stampfen so vieler. Die Gier zum Töten wurde schmackhaft, die trockene Luft tat ihren Teil, der Durst nach warmen Blut, nach zuckenden Gliedern, nach Innereien wurde wach, erfasste Jeden, heizte die Massen an, ließ sie und mit ihr Ralf schneller treiben, dem dunklen Qualm entgegen, dem Geruch von Feuer, verbranntem Holz, dem Scheiterhaufen auf dem Platz vor der Kirche entgegen...


Rezension

Ich sehe, "Denkspiele" verspricht ein sehr schönes Buch zu werden. Die gesammelten Novellen beweisen, Dass Ihr Stil viel reifer geworden ist. Auch ist der Einfluss von Franz Kafka unübersehbar. Und deshalb denke ich, Sie hatten ein sehr schweres Leben und haben es auch heute nicht leicht. Talent zu haben ist eine außerordentliche Angelegenheit und bedingt auch außerordentlich empfindsame Nerven. Und die zu haben, ist keine beneidenswerte Sache. Eigentlich habe ich immer ein gewisses Bedauern für Schriftsteller.
Katalyn Rayman, Rubrikleiterin "NAGYVILAG" Zeitschrift für Weltliteratur, Budapest