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Höfische Reglements und Lustbarkeiten
Die Besuche von Caroline Mathilde und Christian VII. in Hamburg und Holstein 1766 -1772

Text: Mathias Hattendorff
Herausgeberin: Ursula Willer


1772 wurde in Kopenhagen der ehemalige Leibarzt des dänischen Königs nach einem spektakulären Prozess grausam hingerichtet. Vier Jahre zuvor war Johann Friedrich Struensee von Christian VII. an den Hof berufen worden. Er hatte rasch das Vertrauen des Königs gewonnen. 1770 hatte er eine Liebesaffäre mit der Königin Caroline Mathilde begonnen. Nicht zuletzt mit ihrer Unterstützung war er zum dänischen Staatsminister ernannt worden.

Das Buch des Hamburger Historikers Mathias Hattendorff widmet sich den Besuchen des dänischen Hofes in Altona und Hamburg zwischen 1766 und 1770. Dabei finden bislang unbekannte Details Beachtung, darunter auch die Umstände des geheimnisumwitterten Aufenthalts des Königspaars und Struensees im holsteinischen Traventhal.

Grundlage der Darstellung sind u.a. Quellen aus dem dänischen Reichsarchiv, aus dem Privatarchiv des britischen Königshauses und aus dem Hausarchiv der Welfen. Der Band ist reichhaltig illustriert und mit ausführlichen Bildtexten versehen.

Das Buch diente u.a. als Grundlage für eine Dokumentation des Bayerischen Fernsehens über Struensee (Erstausstrahlung am 31.10.2004).

1. Auflage März 1999
Leinen/Schutzumschlag, 100 Seiten, 30 x 30 cm, 57 Bilder
Preis: 19,45 EUR
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Aus dem Inhalt

Das dänische Königspaar Christian VII. und Caroline Mathilde in Hamburg und Holstein

Keine Episode der dänischen Geschichte hat so oft im Mittelpunkt von literarischen und wissenschaftlichen Betrachtungen gestanden wie die der Jahre von 1766 bis 1772. Die unheilvolle Verbindung der britischen Prinzessin Caroline Mathilde mit dem kranken König Christian VII., die Intrigen am Hof, der politische Aufstieg des königlichen Leibarztes Struensee und schließlich die dramatischen Ereignisse des Jahres 1772 hatten damals in ganz Europa für Aufsehen gesorgt. Dass sich wesentliche Kapitel der Hofgeschichte jener Jahre in Hamburg und in Holstein abspielten, ist in Vergessenheit geraten.

Darüber hat der Historiker Mathias Hattendorff in einem Buch neue Erkenntnisse geliefert. Seine Darstellung beginnt mit der Schilderung von der Einholung der königlichen Braut. Im Oktober 1766 wurde Caroline Mathilde unter maßgeblicher Beteiligung der Hamburger Admiralität von Harburg nach Altona befördert. Dort wurde die neue Landesmutter von ihrem zukünftigen Hof mit großem Zeremoniell empfangen. Wenige Monate später kam ihr Ehemann, Christian VII., zu einem Besuch nach Hamburg. Der Senat hatte keine Mühen gescheut, der Majestät den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Höhepunkte des Programms waren eine Alsterfahrt zur Uhlenhorst und ein Maskenball für den dänischen Hof im Theater am Gänsemarkt. Gewichtigen Einfluss auf Gestaltung und Ablauf des Besuchsprogramms hatte übrigens der dänische Gesandte im Niedersächsischen Kreis, Baron Heinrich Carl Schimmelmann, ohne dessen Plazet nichts lief. Keineswegs nur aus Höflichkeit musste der Senat auf seine Vorschläge und Einwendungen Rücksicht nehmen.

Als Christian VII. 1768 seine Europareise antrat, setzte er beim hamburgischen Zollenspieker über die Elbe. In seinem Gefolge befand sich auch sein neuer Leibarzt Struensee. Nach der Reise blieb der ehemalige Altonaer Stadtphysicus in königlichen Diensten. Er konnte sich in der höfischen Günstlingswirtschaft behaupten und gewann sogar, nach anfänglichem Mißtrauen, das Vertrauen von Caroline Mathilde. Bald griff er in politische Entscheidungen ein, der Aufenthalt des Hofes in Holstein im Sommer 1770 wurde bereits völlig von ihm organisiert und dirigiert. Seine einige Monate zuvor begonnene Vertraulichkeit mit der Königin wurde in der holsteinischen Landluft intensiviert. Mißliebige Staats- und Hofbeamte wurden entlassen, andere Bedienstete vorzeitig nach Kopenhagen zurückgeschickt. In Altona und in Hamburg wurden die obskuren Vorgänge bei Hofe neugierig verfolgt. Im August 1770 ließ Caroline Mathilde in Hamburg ein kostbares Juwelenbukett von 1091 Diamanten verkaufen. Struensee und sein Freund Brandt (sowie vor allem der dänische Postmeister Waitz) sorgten dafür, dass der Erlös so hoch ausfiel, um damit den neuen Orden der Königin zu finanzieren.

Nach dem Sturz Struensees und der Festsetzung der Königin in Kronborg im Januar 1772 wurde, neben anderen "Majestätsverbrechen", die Geschichte des spektakulären Juwelenverkaufs peinlich genau untersucht. Auch die Herkunft des Strumpfbandes, das Struensee in Hamburg gekauft und der Königin gegeben hatte, wurde von dem Sonderermittler aufgedeckt. Struensee wurde auf grausame Art hingerichtet, die Königin geschieden und ins Exil nach Celle verbannt. Als sie im Mai 1772 auf einem britischen Kriegsschiff das hamburgische Ritzebüttel passierte, ließ der dortige Amtmann Salut feuern. Es war die letzte Ehrenerweisung Hamburgs an die unglückliche Caroline Mathilde.

Mathias Hattendorff hat für seine spannende Darstellung zahlreiche unbekannte Quellen herangezogen. Neben Akten im hamburgischen Staatsarchiv hat er Dokumente im dänischen Reichsarchiv ausgewertet, darunter Papiere des Königshauses und des Hofmarschalls, dazu die politische Korrespondenz Schimmelmanns. Weitere interessante Funde machte er im Privatarchiv des Welfenhauses. Ein sehr persönlicher Brief von Caroline Mathilde, den sie 1766 in Altona geschrieben hat und der sich heute auf Windsor Castle befindet, rundet die breite Quellenbasis ab.

Über 50 ausgewählte Bildmotive - auch darunter so manche Erstveröffentlichung - ergänzen die Darstellung auf anschauliche Weise.

Nützliche Adressen:

Die Tourismuszentrale im Alten Rathaus (Markt 14-16) gibt u.a. Auskunft über den Gästeführungsdienst im Schloss (Tel. 05141-1212). Für Führungen in den landesgeschichtlichen Räumen des Schlosses sowie im Museum gibt es Infos im Bomann-Museum am Schlossplatz 7 (Tel. 05141-12372). Im Museumsladen im Bomann-Museum, wie auch am Infostand im Schloss, ist der umfassende Caroline-Mathilde-Katalog von 2001 erhältlich. Ebenso die wichtige Vorstudie dazu, das bei in-Cultura.com 1999 erschienene Buch über die Besuche von CM und C7 in Hamburg und Schleswig-Holstein.


Rezension

"Ein unglaublich spannendes Buch!"
(B. Sörensen, Kommandant des Kastells in Kopenhagen, in dem Struensee vor seiner Hinrichtung einsass)

"Ihr Buch ist nicht nur informativ, sondern lässt die Geschichte und Personen in einem sehr lebendigen Licht erscheinen."
(Dr. Henrik Lungagnini, kunsthistorischer Berater von G. Fielmann)

"Eine hervorragend recherchierte, köstliche Darstellung!"
(SKH Prinz Heinrich von Hannover)