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Quirin, Otto
1927 in Hamburg geboren

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Biografie 
seit 1950in Hamburg
1948 - 1955Studium der freien Malerei, Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie in Düsseldorf, Bremen und Hamburg
1950Förderpreis des Senats, Bremen
1954Förderpreis des Senats, Hamburg
1966 - 1970Aufenthalt in Chile
1968Kritikerpreis in Santiago/Chile
1978 - 1984Aufenthalt in Spanien


Öffentliche Arbeiten
Universidad Austral de Chile
Iglesia San Juan Osorno/Chile
Iglesia Luterana, Valdivia/Chile
Iglesia Luterana, Barcelona
Colegia San Alberto Magno, Barcelona
Hansa Kolleg, Hamburg
Rathaus Hamburg
Rathaus Löhne
Rathaus Verden
Rathaus Wedel
Telekom Hamburg
Postdirektion Bad Oldesloe
Daimler-Benz AG, Hamburg-Harburg
Weinstadt, Reinhold-Nägele-Realschule
Kulturbehörde Hamburg
Niedersächsisches Kultusministerium

Bibliographie
Goethe-Institut, Broschüre 8/69 Valdivia/Chile
Bildungsmarkt, VHS-Hamburg, Nr. 1/88 und Nur 1/89
Galerie Basta, Hamburg, Katalog "Otto Quirin", 1990
Kunstbrücke Hamburg, Galerie, Dokumentation, 1992
Frank News, März 1996, Porträt Quirin
Kunstforum der OPD Hamburg, Katalog zur 100. Ausstellung
Kulturbehörde Hamburg, Katalog Quirin 1992
House of Humour and Satire, Gabrovo, Bulgarien, Kataloge
10. und 12. Biennale 1991 und 1995
100 Jahre Colegio Aleman Barcelona/Spanien 1994, Otto Quirin Feature
16. Kunstmarkt Hannover, November 1990, Katalog
Katalog zum Arnold-Fiedler-Preis 1994, Kunsthaus Hamburg
"Kultur in Hamburg" spezial, 1996 (bei in-Cultura.com erschienen)
Hamburgische Landesbank, Kulturereignisse, 1999, Otto Quirin

Ausstellungen und Beteiligungen
u.a. in Bulgarien, Deutschland, Chile, Dänemark, Ecuador, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, den USA

Zum Werk von Otto Quirin
Otto Quirins Arbeiten wurden im Laufe der Jahre in mehr als zehn Ländern und in über 200 Einzel- und Gruppenausstellungen einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Auch diese Ausstellung ist eine weitere Respektbezollung für einen Künstler, dessen weiter Lebenskreis ihn in viele Länder der Welt geführt hat, dessen Lebensweg wie eine Wanderung durch die Kunstgeschichte dieses Jahrhunderts erscheinen will und nun wieder in Hamburg beheimatet ist, wo vor vielen Jahren sein Wirken begonnen hat.

Otto Quirin studierte in Düsseldorf, Bremen und Hamburg freie Malerei, Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie. Bereits während des Studiums erhielt er 1950 den Förderpreis des Senats der Hansestadt Bremen, 1954 den Förderpreis des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Er begann seine Laufbahn als Lehrer und Kunsterzieher am Gymnasium Oberalster. In dieser Zeit gelang Herrn Quirin etwas, was man sich heute als Kunstmanager überhaupt nicht mehr vorstellen kann. Er organisierte und führte Ausstellungen namhaftester Künstler durch, deren Werke er hier nach Hamburg brachte. So konnte sich die Öffentlichkeit durch seine Bemühungen u.a. mit dem Werk von Gerhard Marcks oder Gustav Seitz auseinandersetzen. Er präsentierte Arbeiten des nachexpressionistischen Malers Otto Dix, brachte den Maler, Graphiker und Dramatiker Oskar Kokoschka nach Hamburg oder führte Ausstellungen des Dresdner Künstlerbundes durch.

Von 1971 bis 1978 war Herr Quirin Leiter des Hansa-Collegs, von 1974 bis 1978 Rektorensprecher der Kolleg-Leiter in der Bundesrepublik Deutschland, außerdem neun Jahre Mitglied der Kunstkommission des Hochbauamtes der Freien und Hansestadt Hamburg. 1966 bis 1970 lebte der Künstler in Chile, erhielt dort 1968 den angesehenen Kritikerpreis und traf dort auf die »Stimme Chiles«, den Nobelpreisträger für Literatur Pablo Neruda, den er ebenso porträtierte wie den ehemaligen Präsidenten Chiles Salvador Allende. Während dieser Zeit in Chile wurde der Künstler von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Santiago beauftragt, im Süden des Landes konsularische Arbeiten zu übernehmen. Von 1978 bis 1984 lebte Otto Quirin in Spanien, wo er auch heute noch ein Domizil unterhält und wo er mit einem der wichtigsten Begründer der informellen Kunst, Antoní Tápies, zusammentraf.
Arbeiten des Künstlers finden sich heute in ungezählten privaten und vielen öffentlichen Sammlungen weltweit. Otto Quirins Werk findet sich auch in vielen Publikationen wieder.

Während einer Begegnung zwischen Erich Heckel und Otto Quirin sagte Heckel: »Die Überbewertung des Biographischen bei Kunstführungen kann ich nicht gutheißen. Sehen Sie, bei van Gogh z.B. ruiniert man dem Betrachter doch leicht den Zugang zum Bild durch die dramatische Darstellung seines Lebens! So eine Ausstellung wird leicht zur Unsitte am einzelnen Werk. Es darf nicht für den Kunsthistoriker und Sammlungen, es muß für das Bild ausgestellt werden.« Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, weswegen auf weitere biographische Details verzichtet werden kann.

Otto Quirin wurde durch die Epoche Klees, Kandinskys, Mirós und Schwitters` geprägt. Sein Werk ist nicht das Werk eines zeitgenössischen Künstlers, der sich noch in der Kritik derselben befindet. Die Epoche, in die Herr Quirin einzugliedern wäre, ist eine gewesene, dabei aber keine vergessene, sondern eine, die sich kunsthistorisch bereits bewiesen hat. Herr Quirin gehört zu jener Gattung Künstler, von denen wir heute nur noch sehr wenig hören, jenen, deren fundiertes Können und deren Begabung die Basis ihres Schaffens bilden. Die Zeit der Maler, die tatsächlich noch malen, ist vorbei, bei denen diese Aspekte der Ausgang für ein bildnerisches Werk sind. Heute malt kaum noch ein Maler, heute scheint Begabung eher eine Frage der PR, Können geht in der Geschwindigkeit der Technik unter, Kunst als Reste einer immer mehr auf Recycling abgestellten Generation. Ausnahmen wie Penk und Baselitz stehen einer Armada des Gegenteils gegenüber.

Otto Quirin ist kein politischer Mensch im Sinne der heute alles dominierenden Parteienpolitik. Er ist aber jemand, der immer einen Standpunkt eingenommen hat. In vielen seiner Arbeiten, ob zum Thema Krieg, zum Faschismus, gesellschaftspolitischen Themen oder Ereignissen, die in anderen Teilen dieser Welt zu großen Umwälzungen geführt haben, bezieht der Künstler eine unmißverständliche Position, die sich nicht vom Spiel »links oder rechts stehen« motivieren läßt, sondern ein Ergebnis des von Otto Quirin gelebten Humanismus und seinen moralischen Grundansichten ist. Das macht Politik im eigentlichen Sinne aus, das persönliche Engagement, die eigene Überzeugung und das sie mit dem Gegenüber Diskutieren. Insofern ist Herr Quirin ein vorbildlich politischer Mensch.

Seine nicht ungewöhnliche Eigenart, Arbeiten Namen zu geben, d.h. auf die Inhalte hinzuweisen, dient nur dem Schlüssel zum Werk, nicht als Grenze der Deutung dessen. Denn tatsächlich ist der Künstler ein arabischer Geschichtenerzähler. Aus vielen kleinen Details, aus hunderten von Ansichten und von ihm beobachteten Begebenheiten, aus vielen Bildern setzt sich jedes seiner Werke zusammen, ergibt eine homogene Geschichte, die sich aber rückwärts genauso erzählen läßt, rückwärts zu tausend kleinen Geschichten wird. Tatsächlich ist Otto Quirin ein spanischer Maler. Die prunkvolle Gewalt, die Unbegrenztheit seiner Palette, die alle Farben und Nuancen zuläßt, sich nicht wie oftmals in unseren Regionen begrenzt, die Fröhlichkeit, Kindlichkeit und insbesondere immer jugendliche Lebendigkeit, führen seine Herkunft zurück in den Süden Europas von woher wir erst Jahre später hier im Norden Europas die aktuellen Farben in der Malerei übernehmen. Tatsächlich ist Otto Quirin ein deutscher Maler, seine fundierten Techniken, sein perfekter und präziser Strich, seine mögliche Reduziertheit auf das Wesentliche und seine umfassenden kunsthistorischen Kenntnisse zeugen von deutscher Genauig- und Geradlinigkeit. Tatsächlich ist Otto Quirin ein Künstler, der wie alle guten Künstler ein Nationen überwindendes Kulturgut geschaffen hat.
François Maher Presley, 1999