Mit Büchern reisen ohne Grenzen
Mit Büchern reisen ohne Grenzen

Werktagebuch: Frühe Dichtung und Prosa

Gedichte, Briefe, Kartengrüße, Aphorismen und Novellen 1979-1995

 

Text: » François Maher Presley

Deckblatt und Illustration innen: » Dr. h.c. Bernhard G. Lehmann

Zeichnungen innen - Novellen - von Michael Haller: Lamm / Kopfmensch, 1992

Herausgeber: » David Eschrich

Einführung und Nachwort: » Dr. Matthias H. Rauert

Deckblattgestaltung: » Carlos Kellá

 

Juni 2012, Paperback, 260 Seiten

Preis: 12,80 EUR » Bestellung

 

 

Zum Inhalt

 

Die hier vorliegende Textsammlung erscheint dem Leser wie ein Tagebuch aus einer sehr ungewöhnlichen, vielseitigen, aber auch an Dramatik vollen Kindheit und Jugend eines sich zwischen den Welten und Kulturen bewegenden jungen Menschen, dessen Sprachgewalt ihn das Erlebte verarbeiten lässt, aber beim Leser auch Identifikation schafft und Erinnerungen an eigene Erlebnisse und Erfahrungen wachruft.

Aus dem Inhalt

 

Meine Mutter

Diesmal hatte ich gezögert, diesmal bekam ich die Mutter, die mir zustand, meine. Sie war so jung. Sie war so schön. Und altern tat sie immer nur in den Näch­ten. Wenn die Fensterläden geschlossen waren, wenn kein Licht sich durch die Ritzen mehr ergoss, wenn im Hause alle schliefen, starb sie allein ihre Ju­gend, starb sie allein ihre Schönheit, ihre Anmut, er­trank sie in dem Geld, das ihr das Leben nur scheinbar leichter werden ließ. Nachts kroch der Tod zu ihren Füßen, an ihren Sohlen hoch, an ihren Beinen und fraß sich leise in ihr Fleisch. Kein Laut, kein Schrei, niemals war Schmerz in ihren Augen. So vornehm konnte allein nur sie noch sterben, wenn der Krebs ganz langsam auch ihren schönen Körper nahm. So vornehm konnte allein nur sie noch leben, wenn mit dem Licht die Narben gingen, wenn von dem Schmerz nur eines blieb, ein kleiner Stein in ihrem ohnehin schon kleinen Herzen.

...

 

versuchung lockt

in verbotenen räumen

an dunklen plätzen

zu später stund

die angst vor dem ungewissen peitscht

doch der traum vom erleben ist stark

ein schneller blick

ein leichtes berühren

dann heftig küssen

nicht zärtlich sein

wie schön das beben

wie weit die welt

und nah das fremde

benommene körper aufeinander

schamröte im gesicht

liebe an wintertagen

...

 

Ich habe mir überlegt, ob ich mir einen Bart wachsen lassen soll, einen Vollbart, überall im Gesicht und lang und weiß. Dann würde ich auf einen Berg gehen, oben auf die Spitze. Ich würde mich auf diese Spitze setzen und nichts mehr essen und nichts mehr sagen, fasten und schweigen. Und dann würde ich zu Stein werden und wäre ein Teil des Berges. Danach käme ein Gewitter und der Blitz würde mich treffen, und der Stein würde von mir abfallen, und ich wäre ein junger Mann. Dann ginge ich von dem Berg hinunter in die Stadt und würde Dich treffen.

 

Außerdem habe ich mir überlegt, dass Wölfe nicht lau­ern, sondern aufmerksam sind. Wäre ich ein Wolf, dann würde ich sicher nicht lauern, aber ich wäre sehr aufmerksam. Wölfe scheinen mir kluge Tiere. Wäre ich ein Wolf, so wäre ich klug. Doch ich bin kein Wolf.

 

Ich habe mir auch überlegt, dass die Bäume alle bald sterben. Und wenn sie dann tot sind, gehen sie ins Meer. Alle toten Bäume gehen wohl ins Meer zu den Algen. Die Algen waren früher einmal auch Bäume und sind dann ins Meer gegangen, weil die Fische sie brauchen, mehr als wir.

 

Ich könnte mir natürlich auch Flügel wachsen lassen und keinen Bart. Dann würde ich vom Berg hinab fliegen und nicht schweigen und nicht fasten. Der Blitz würde kommen, und er würde mich nicht treffen. Ich würde mir Flügel wachsen lassen und ins Tal fliegen zu Dir. Und Du bekämest meine Flügel, damit wir beide Menschen sind wie Vögel.

Meinungen

 

„NAGYVILAG“ Zeitschrift für Weltliteratur, Budapest

Die gesammelten Novellen beweisen, Dass Ihr Stil viel reifer geworden ist. Auch ist der Einfluss von Franz Kafka unübersehbar. Und deshalb denke ich, Sie hatten ein sehr schweres Leben und haben es auch heute nicht leicht. Talent zu haben ist eine außerordentliche Angelegenheit und bedingt auch außerordentlich empfindsame Nerven. Und die zu haben, ist keine beneidenswerte Sache. Eigentlich habe ich immer ein gewisses Bedauern für Schriftsteller. Katalyn Rayman, Rubrik-Leiterin

 

Es ist faszinierend, dass ein Anfang 20jähriger in diesen Dimensionen zu denken vermag. Hedda Guhr, Leitende Redakteurin

 

Der Leser erfährt bemerkenswerte Mitteilungen eines „Grenzgängers“ zwischen den Religionen und Kulturen... Da kommt kein Zweifel an der Authentizität dieses Ereignisses auf!... Es (handelt) sich um erste sehr scharfsichtige und kluge, aber immerhin partielle Einsichten in Lebens- und Kulturzusammenhänge (), die in hohem Maße interessant und zur Lektüre empfohlen sind. "Liberal, Magazin für Politik und Kultur"

 

Heute fing ich mit Ihrem Werktagebuch an und bin schwer beeindruckt von Ihrer Sprachgewalt, Ausdrucksweise und Ihren Empfindungen. Besonders mich mitnehmend Ihre Briefe für Harald Zörner. Brigitta Geyer, Hamburg

 

Gratulation, Ihr Werktagebuch hätte doch allein durch den Literaturpapst Reich-Ranicki in den Olymp der Dichtung und Prosa erhoben werden müssen. Ich genieße immer besonders so kurz gefasste Literatur. August Ohm, Maler, Hamburg

Schreiben Sie uns

in-Cultura.com GmbH

Postfach 73 02 20
22122 Hamburg

Rufen Sie einfach an

+49 (0)40 / 790 29 678

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© in-cultura.com GmbH