Mit Büchern reisen ohne Grenzen
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Tomas - aus dem Leben eines Callboys

Text: » François Maher Presley

Radierungen: Willibrord Haas » Willibrord Haas

 

Paperback, 84 S., 21 x 26 cm, illustriert

Preis: 6,80 EUR | » Bestellung

 

Bei dem Titel dieses Buches handelt es sich um den wirklichen Namen des aus Tschechien stammenden jungen Mannes Tomas. Viele der hier geschilderten Erlebnisse sind autobiographisch. Tomas lebt ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Hamburg und schafft als Callboy an. 

 

Seine Geschichte wird von François Maher Presley aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und es wird nicht mehr deutlich, ob der Ich-Erzähler fiktive Begebenheiten oder Tatsachen berichtet, Tomas spricht, oder der Autor. Damit soll auf der einen Seite die Aussichts- und Hoffnungslosigkeit des Lebens eines Prostituierten deutlich gemacht werden, andererseits aber auch das Leben in einer Wirklichkeit, die nur aus Verdrängung und Träumen zu bestehen scheint, aus eiskalter Berechnung und der Suche nach Liebe und Zärtlichkeit. 

 

Die Geschichte der Partnerschaft zwischen Tomas und seinem Freund Klaus wird von Erlebnissen, die das Leben auf dem Strich bestimmen, unterbrochen, um dadurch die Parallelität der Ereignisse widerzuspiegeln, ohne sie, die Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, zu stören. 

 

Eine weitere Perspektive ergibt sich durch die Radierungen des Künstlers Willibrord Haas, die zufällig ausgewählt wurden und mit den Personen, die im Text erwähnt werden, nicht identisch sind, und die vom Autor diesen zugeordneten lyrischen Texte, die zusammen vielleicht wahre Begegnungen zwischen Tomas und dem Autor beschreiben, bei denen allerdings nicht deutlich wird, ob es sich nicht eher um die Illusion solcher handelt, die im starken Widerspruch zu der eigentlichen Erlebniswelt von Tomas stehen. 

 

Abgerundet wird der Band durch zwei Interviews, in denen Tomas und ein Stammkunde im O-Ton zu Wort kommen und damit eine völlig neue Realität für den Leser schaffen.

Aus dem Inhalt

 

ein trip

leben und leben lassen

ein bisschen freiheit

ja sagen

niemals nein

sie war schön

die nacht - neu und schön

ein nächstes mal

wird es wohl geben

ob mit dir

vielleicht

 

Wir waren im Rudy's, einige meiner tschechischen Kollegen und einige Freunde, einfach so zum Spaß, tranken und unterhielten uns, hörten Musik und lachten. Plötzlich stand Klaus vor mir. Einer meiner Kollegen, der selbst als Stricher tätig war, kannte ihn aus früheren Begegnungen. Ich sah ihn zum ersten Mal. Auch er ging auf den Strich, war ein Stricher oder Callboy, eigentlich ist es fast Geschmackssache, wie man es nennt. Viele Leute stellen sich unter dem Begriff »Stricher« etwas Primitives, etwas Schmutziges vor. Das war er nicht. Auch er ging in Bars anschaffen, aber er war schon etwas Besonderes, für mich zumindest. Natürlich war er ein Prostituierter, eher aber ein Callboy als ein Stricher. Klaus stand vor mir, sehr groß, blond, blauäugig, breitschultrig, sehr gut gebaut, eigentlich genau mein Traumtyp.

 

Während ich ihn wie gebannt anstarrte, rief mir ein Gast zu, dass ich mich zu ihm setzen solle. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass ich anschaffen ging, obwohl ich erst kurze Zeit dabei war. Die Szene ist nicht so groß, eher übersichtlich, ein bisschen wie eine große Familie. Er forderte mich also auf, mich zu ihm zu setzen, etwas zu trinken und anschließend mit ihm ins Bett zu gehen, schließlich sei das mein Job. Recht hatte er, aber ich wollte nicht. An diesem Abend war ich privat unterwegs und hatte keine Lust, Sex zu machen. Außerdem war er angetrunken und primitiv, was mir ohnehin nicht gefiel. Genau das gab ich ihm auch zu verstehen, worauf er einschnappte und beleidigend, sogar laut wurde. Dann sprang er auf und schlug mir ins Gesicht, so, als wäre ich ein Stück Dreck. Auch Klaus stand auf, stellte sich zwischen uns, schob den Idioten beiseite, ganz unmissverständlich, genau genommen nahm er mich in Schutz. Das gefiel mir sehr gut. Ich fühlte mich sicher. Ich mochte seine Größe, seine Männlichkeit, seine Kraft, die Tatsache, dass er älter war. Ich mag ältere Männer und fühle mich zu ihnen hingezogen. Dabei meine ich nicht allein das tatsächliche Alter. Genau genommen meine ich Überlegenheit, also nicht nur Alter, sondern auch Kraft oder eine starke Ausstrahlung, Bildung.

 

wo sind schon träume

wenn nicht im schlaf

hab sie überall gesucht

im wald zwischen den bäumen

bei den fischen im teich

war auf den bergen

und drunten im tal

ganz allein auf dem meer

fand ich sie nicht

nicht im schnee

im ewigen sand

wo sind sie nur

wenn nicht im schlaf

suchte bei den bauern

draußen auf dem land

in den straßen und gassen

in den häusern und bauten

in den kirchen und auf den friedhöfen

in jeder stadt

und jeder den ich fragte

lachte nur und nannte mich träumer

und als ich heute träumte

wurde es mir bewusst

sie leben in mir die träume

und einer davon bist du

 

Meine Eltern wurden schon früh geschieden. Damals war ich vier Jahre. Sie stritten sich häufig. Vater betrog meine Mutter mit anderen Frauen. Sie stritten sich, und er schlug sie.

 

Beruflich war er als Architekt tätig. Als es bei uns noch kommunistisch war, war er natürlich angestellt. Später dann hat er sich selbstständig gemacht. Mutter arbeitete als eine Art Kontrolleurin für Arbeiter. Nebenbei absolvierte sie ein Abendstudium und arbeitete anschließend beim Akademischen Präsidium. Heute ist sie aber auch selbstständig. Sie hat eine kleine Bau- und Immobilienfirma. Meine ältere Schwester, die heute als Sekretärin im Präsidialamt arbeitet, und ich lebten bei unserer Mutter.

 

Meiner Meinung nach ließen sich meine Eltern eben wegen des Fremdgehens meines Vaters, der Streitereien und der Schläge wegen, scheiden. Darüber wurde bei uns zu Hause allerdings nie gesprochen. Mutter duldete den Kontakt zu unserem Vater. Ich hatte aber nur sehr wenig Kontakt zu ihm, im Gegensatz zu meiner Schwester. Zu Anfang, wenn er zu uns kam und sagte, dass wir in Begleitung oder mit ihm etwas unternehmen sollten, habe ich mich angeschlossen. Aber später, als ich für mich selbst entscheiden konnte, wusste ich, dass ich diesen Kontakt nicht brauchte und habe ihn dann auch abgebrochen. Vater ist ein großer, sportlicher, schwarzhaariger Mann.

 

Mutter hat dann später wieder geheiratet, ich war acht. Aber auch diese Ehe ist zuletzt gescheitert, da der zweite Ehemann sich nach und nach zum Alkoholiker entwickelte. Er war im Vorstand des Fahrschullehrerverbandes tätig. Auch die Ehe mit dem dritten Mann scheiterte. Fast will man glauben, dass ich die Partnerschaftsprobleme meiner Mutter übernommen habe.

 

Ich schloss die normale Grundschule ab, vergleichsweise die Hauptschule in Deutschland, und begann mit meinem Lehrberuf. Erst erlernte ich den Beruf des Kochs und konnte mich nach einigen Prüfungen dazu entschließen, zusätzlich eine Ausbildung zum Kellner zu machen. Das tat ich dann auch, wodurch ich mir für später mehr berufliche Möglichkeiten schaffen wollte.

 

Schon als Kind waren einige Anzeichen da, die mich vielleicht von anderen Jungen unterschieden. So achtete ich immer besonders auf meine Körperpflege oder auf meine Kleidung. Ich wäre aber niemals auf die Idee gekommen, das mit einer gewissen Sexualität in Verbindung zu bringen, geschweige denn mit Homosexualität. Schwulsein gab es bei uns nicht. So etwas war ohnehin unmöglich, schlecht. Für mich war ich selbstverständlich nicht schwul.

Meinungen

 

Einzelne Episoden aus einem bewegten Stricherleben, scheinbar zunächst zusammenhanglos aneinandergereiht, ergeben doch bald ein genaueres Bild dieses Tomas, als eine lückenlose Erzählung es vermag... Teils Reportage, teils Porno - jedenfalls aber immer authentisch, ohne falsche Glorifizierung oder falsches Mitleid...

Ergänzt durch Radierungen von Willibrord Haas - interessant! Dirk Kurz, GayBooks

 

Aus einzelnen kurzen Texten entsteht das Leben eines tschechischen Strichers und Callboys in Hamburg. Die Aussichtslosigkeit des Lebens als Prostituierter wird ebenso sichtbar wie menschliche Begegnungen, die nicht nur auf Ausnutzung, sondern auf echter Zärtlichkeit und Geilheit beruhen. Erotische Radierungen des schwulen Künstlers Willibrord Haas sind den Texten gegenübergestellt und schaffen eine weitere Perspektive. Männerschwarm Verlag

 

Dieses Buch war für mich und insbesondere mich als Frau ein Ausflug in eine völlig andere Welt, mit der ich natürlich im Alltag nicht konfrontiert werde, soweit über das Leben von Prostituierten nicht in den Medien berichtet wird. Die Vielseitigkeit der Beschreibung, der Empfindungswelt, des Tagesablaufes, der persönlichem Umstände, die den hier beschriebenen Tomas zur Prostitution führten, die Träume, Wünsche, Hoffnungen des Jungen, aber auch die knallharte Realität, der bezahlte Sex und sogar die andere Seite, die des Freiers, reißen einen wirklich mit in diese Fremde. Ich denke, gerade mir als Mutter brachte das Buch auch viel Verständnis und berührte mich auch, hätte Tomas auch mein Sohn sein können. Sex und Liebe zeigen hier sehr wenig Gemeinsamkeit, Chat-Kontakte und Beziehungen können oft mit der Wirklichkeit nicht mithalten, wenngleich es ja auch andere Beispiele gibt. Empfehlenswert. Astrid Reick, Hamburg

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